Melancholia - Sehnsucht nach den Tränen...
Ursprung und Natur der Affekte im späten Barock.

Im Herbst, bevorzugt an dunklen Novembertagen, stellen sich bei
vielen Menschen scheinbar von selbst Schwermut und Nachdenkli-
chkeit ein. Hippokrates erklärte diese Gemütsregung in seiner Tem-
peramentenlehre als einen Überschuss an “schwarzer Galle” einem
der vier Körpersäft e der sich ins Blut ergießt. Melancholia heißt diese
Schwarzgalligkeit mit griechischem Namen. Doch Melancholie ist
keine Krankheit und schon gar nicht gleichzusetzen mit der Depres-
sion. Sie kann heilend und kreativ wirken. Seit Jahrhunderten spei-
sen die dunklen Seiten des Lebens die Produktivität nicht nur von
Künstlern. Diese “Dämonen” sind ebenso Teil menschlicher Existenz
wie Freude und Licht. Wie mit Ihnen umgehen - Musik hilft . Doch
mehrere Jahrhunderte trennen uns von dem Entstehen dieser Musik
heute Abend, unser komplettes Denken, unsere Lebensweise, unsere
Umwelt haben sich grundlegend gewandelt (so wie sich eben auch
die Bedeutung des Begriff s “Affekt” verändert hat). Daher können wir
einige Aspekte dieser Musik rein intuitiv nicht mehr begreifen. Die
Bemühungen um eine historische Aufführungspraxis bezeugen das
Interesse, der historischen Realität der jeweiligen Entstehungsepoche
von “alter” Musik näherzukommen, sie so weit wie möglich zu ver-
stehen und so ihrem Wesen “gerechter” zu werden. In diesem Sinne
ist es nötig, dass ein Interpret Kenntnisse vom Affektbegriff in der
Barockmusik hat, will er ein solches Stück “angemessen” spielen.
Unterem anderen bietet Johann Mattheson (1681-1764) hierzu in
seinem Werk “Der Vollkommene Kapellmeister” von 1739 viele Hin-
weise zum emotionalen Verständnis dieser Musik. Hier heißt es über
den Musiker/vollkommenen Kapellmeister: “... so muß er wahrhafft ig
alle Neigungen des Hertzens, durch blosse ausgesuchte Klänge und
deren geschickte Zusammenfügung, ohne Worte dergestalt ausz-
udrucken wissen, daß der Zuhörer daraus, als ob es eine wirckliche
Rede wäre, den Trieb, den Sinn, die Meinung und den Nachdruck,
mit allen dazu gehörigen Ein- und Abschnitten, völlig begreifen und
deutlich verstehen möge.” (Ausgabe 1995, S. 209f)


Programm

Telemann, Georg Philipp (1681-1767)
Triosonate in c-moll für 2 Oboen basso continuo TWV 42:c4
Lentement - vite - avec douceur. Lentement - Gay


Vivaldi, Antonio (1678-1741)
Sonata per Oboe solo in c-moll RV 53
Adagio - Allegro - Andante - Allegro


Bach, Johann Sebastian (1685-1750)
Ich hatte viel Bekümmernis in c-moll BWV 21 2
Fassung für 2 Oboen basso continuo
3.Satz Aria: Seufzer, Tränen, Kummer, Not


Händel, Georg Friderich (1685-1759)
Trio Sonata in g-moll HWV 390
Larghetto - Allegro - Adagio - Allegro


Johan Helmich Roman (1694-1758)
Sonata a Tré in g-moll für 2 Oboen basso continuo Ro 50a
Adagio - Andante - Allegro - Presto assai


Anonymous (c.1750-99)
Triosonata in D-Dur für 2 Oboen basso continuo
Adagio - Allegro - Largo - Vivace