Laute und leise Töne –
vom Stylus Phantasticus bis zum Empfindsamen Stil


“In diesem Stil fi ndet man eher Frechheit und verworrene Gedanken,
als Bescheidenheit, Vernunft und Ordnung“, so J.J.Quantz über den
stylus phantasticus. Das Programm umfasst italienische Musik des
17. und 18. Jahrhunderts für Laute, Cello und Oboe, solo e tutti , vom
manieristischen stylus phantasticus der Zeit Monteverdis bis zum
galanten spätbarocken Stil Vivaldis.
Der Stylus phantasticus ist ein Stil der Gegensätze: Das freie Fließen
ausdrucksstarker Melodien, die sich zu grellen Dissonanzen bal-
len können, lädt die Ordnung barocker Formen mit größtmöglicher
Spannung auf. Hier eröff nen sich faszinierende Klangwelten. Geprägt
hat den Begriff der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher
1650 in seiner Abhandlung “Musurgia universalis“, in der er eine
Musik beschrieb, “die der Phantasie der Komponisten keine strik-
ten Regeln auferlege / die nicht an Worte oder einen Cantus fi rmus
gebunden ist / dem Komponisten weite Entfaltungsmöglichkeiten
gibt und Gelegenheit, an die Grenzen seiner Kunst zu gehen …“.
Von Italien aus gelangt der “Stylus Phantasticus “ nach ganz Europa.
Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein setzte er “in Verwunderung, da
man bald auf diese bald auf jene Einfälle geräth, da allerhand sonst
ungewöhnliche Gänge, versteckte Zierrathen, sinnreiche Drehungen
und Verbrämungen hervorgebracht werden ...“, wie Johann Mat-
theson es beschrieb. Das Bemühen, der Instrumentalmusik neue
Ausdrucksformen zu erschließen, verbindet Stylus Phantasticus und
Empfi ndsamen Stil. Beide Musiken waren Avantgarde. “Carl Pphilipp
Emanuel Bach gehörte nicht nur zu jenen, die, in den 60er und
frühen 70er Jahren des 18. Jahrhunderts, die alten Regeln der Kom-
position aufb rachen und mit neuen musikalischen Bausteinen ebenso
wie mit neuen Sinngehalten der Musik experimentierten, er gehörte
auch zu jenen, die diese Bausteine wieder zu einer neuen Schreibart
zusammensetzen halfen, die auch weniger originellen, weniger phan-
tasiereichen Komponisten ein Regelsystem zur Verfügung stellte.”
(Silke Leopold)


Programm

Georg Philipp Telemann (1681-1767)
Dritte Lection des getreuen Music=Meisters.
Overture - Tres vite - Sans_Souci.

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
Sonata. Oboe senza basso. Wotquenne 132 Berlin 1763
Poco Adagio - Allegro - Allegro


Johann Christoph Pez (1664-1716)
Symphonia g-moll
Allegro - Adagio - Passacaliga -Gigue


Giovanni Girolamo Kapsperger (1580-1651)
Preludio
Passacaglia
aus: Libro Quarto di Villanelle a una e piu voci, Rom 1623


Thomas Vincent (1720-1783)
Sonata 2
aus: Six sonatas for oboe and with a Th orough Bass op.1
Andante - Allegro con spirito - Adagio - Allegro

Heinrich Ignaz Franz von Biber (1708-1763)
Passacaglia e-moll für Violine solo, arrangiert für Cello c-moll
Sonate XVI – ‘Der Schutzengel’ aus den Rosenkranz-Sonaten
Passagalia – Adagio – Allegro – Adagio


Antonio Vivaldi (1678-1741)
Sonata in g-moll RV 28 für Oboe und Continuo
Adagio - Vivace - Largo - Allegro