17.Aug 2017

Klavier mit Bläsern. Und mehr.

 

Mozarts Böhmen am Meer war Prag, wo die Leute seinen Figaro auf der Straße pfiffen. Hier hätte er gern sein Geld verdient vor dem Publikum, dass ihn liebte. Doch ohne Anstellung oder Mäzen war das nicht möglich. Ein volles (Opern-)Haus allein machte auch damals noch nicht satt. Der Traum des Herrn Papa war Wien, wo eine Oper nach der anderen durchfiel, ja mit dem Figaro sich der Adel von ihm abwandte. Doch hier war Mozart immerhin k.u.k. Hofcompositeur und durfte endlos Menuette für die Redouten liefern. Der geniale Mozart war so wenig Menschenkenner, Diplomat oder Geschäftsmann, dass die Sehnsucht, letztlich doch Papas Wunsch wahr werden zu lassen und wohlhabend, etabliert, geschätzt und geachtet zu leben, ein Traum blieb.

Klavier und Bläser gehörten 1784, als Mozart sein Klavierquintett komponierte, verschiedenen Welten an: Das (Hammer-)Klavier brillierte bei musikalischen Akademien als Soloinstrument, die vier Bläser bildeten die klassische Besetzung einer Harmoniemusik, leichte Kost für Gartenkonzerte oder Feste. Mozart bringt in diesem Quintett erstmals “Fremdes” zusammen, ohne hierarchische Einschränkungen. Bläser und Klavier sind unentwegt im Gespräch, jedes Instrument kann seinen besonderen Charakter ausspielen. Mozart selbst bezeichnete sein Klavierquintett als das Beste, was er bis dahin geschrieben hatte.

Andere Böhmen- und Meer-Sucher bereiten uns den Weg dorthin.

Haydn, der Komponist, den Mozart schätzte und verehrte unter den lebenden Kollegen, hatte bei den Esterházys sein Böhmen am Meer gefunden. „Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden.“

Beethoven, auch so ein Wunderkind unter der Hand eines gestrengen Vaters, bewunderte Mozart sehr, strebte deshalb gen Wien. Nachdem Mozart verstorben war, sollte er hier nun „Mozart’s Geist aus Haydens Händen“ erhalten. Revolution und Kriege, Ängste und Hoffnungen wühlten Europa zu Beethovens Lebzeiten auf. Star seiner Zeit war er doch oft in sich zerrissen und unglücklich, mit Krankheit ringend. Böhmens Meer war in weite Ferne gerückt.

Carl Stamitz, böhmischer Herkunft, und Mozart könnten sich begegnet sein. Stamitz war Violinist in der berühmten Mannheimer Hofkapelle, dem modernsten Ensemble seiner Zeit. Die Mannheimer Musikanten hatten es Mozart besonders angetan während seiner Aufenthalte daselbst. Sie spielten gut (nicht nur ihre Instrumente!), waren lustig und nett. “Mit einem Wort: Wie ich Mannheim liebe, so liebt auch Mannheim mich.” schrieb Mozart seinem Vater. Hier war das Meer zum Greifen nah. Trotz Sehnsucht und fernen Wassern möge die zauberhafte Musik an diesem Sommer-

donnerstagabend im Haus des Grafen Marcolini Linderung und Genuss verschaffen, um dann kraftvoll weiter Sehnen zu können.

 

 

 

Es musizieren:

CAPELL UND TAFFEL-MUSIC

Luise Haugk - klassische Oboe

Kayo Nishida - klassische Klarinette

Monika Fischalek - klassische Fagott

Stephan Katte - Naturhorn

Sebastian Knebel - Hammerklavier

 

Programm

Ludwig van Beethoven 1770-1826

Trio C-Dur op.87 für Oboe, Klarinette, Fagott Satz No 1 1795

Allegro

 

Carl Stamitz 1745-1801

Quartett Es-Dur op.8 No.2 f. Oboe, Klarinette, Horn, Fagott vor 1773

Allegro moderato

Andante grazioso

Rondo. Allegro

 

- - P A U S E - -

 

Joseph Haydn 1732-1809

Klaviersonate No.44 g-moll Hob.XVI/44 ca. 1771–73

Moderato

Allegretto

 

Wolfgang Amadeus Mozart 1756-1791

Klavierquintett KV 452 1784

Largo - Allegro moderato

Larghetto

(Rondo) Allegretto